Die "digitale" Chance

Plötzlich war alles anders. Corona sorgte dafür. Die Schultore schlossen sich, ein jeder blieb zu Hause. Das betraf Mitte März 2020 auch den Projektkurs "Literatur" in der Q1. Keine persönliche Begegnung mehr mit dem bekannten Dichter José F. A. Oliver, der den Kurs leitete. Keine Schreibwege mehr, bei denen man zusammen die eigenen Fähigkeiten testen konnte. Kein gemeinsames Arbeiten mehr an den eiegenen Texten, um vorwärts zu kommen. Der Projektkurs ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Er suchte seine "digitale" Chance, er setzte die Schreibwerkstatt fort.

Und siehe da, auf einmal entstand zwischen den Schülerinnen und Schülern sowie José F. A. Oliver eine Nähe, mit der wohl niemand zuvor sonst gerechnet hätte. Sie schrieben ihre kleinen Geschichten, ihre Anekdoten und anderes mehr. Sie schrieben und schrieben. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stand schließlich ein Brief an die Zukunft, der zeigte, was poetisches Schreiben ausmacht. Denn er schuf eine Brücke zwischen biografischem und literarischem Erleben, die Basis für eine sinnstiftende Beschäftigung mit Literatur, nicht mehr und nicht weniger.

Einige Statements aus den Briefen, mal kämpferisch, mal verhalten nachfragend:

Lena Brandt: Ich will dich sehen!

Sherin Brüntgens: Auch wenn ich eigentlich schon die Hoffnung aufgegeben habe, in meiner Utopie bleibt mir dennoch ein wenig Hoffnung übrig.

Alina Lux: Das Beste liegt nicht hinter uns, sondern immer vor uns!

Adrian Matusovsky: Wenn ich sterben sollte, stirbst du dann mit mir?

Lara Muheddin: Ich möchte eine saubere und freundlichen Umwelt. Ich will eine solidarische Welt sehen, die voller Liebe ist.

Die Statements sprechen für sich.

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Anfang November feierte der Kurs, als es wieder möglich war, gemeinsam mit dem LK Deutsch seinen Kursabschluss mit einer Doppellesung. José F. A. Oliver und Lütfiye Güzel, Trägerin vom Literaturpreis Ruhr, waren da, hörten den Jugendlichen zu und lasen danach auch selbst. Das war beeindruckend in seiner Wechselwirkung; denn es zeigte an, was poetisches Schreiben alles bewirken kann. Es war ein Unterricht, dessen Nachklang wohl niemand so schnell vergessen wird!

Am Ende erhielten die Schülerinnen und Schüler des Projektkurses ihre Publikation, Streichholzschächtelchen mit ihren Texten, gedruckt auf eine Art Beipackzettel, wie man ihn von der Medikamentenpackungen her kennt. Das ließ tief blicken. Lütfiye Güzel arbeitet mit dieser Publikationsform, und der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt hat es auch getan. Es passte ins Ruhrgebiet.

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Beteiligte Schüler auf den Fotos (von oben): Medine Alfur, Mike Seidel, Louisa Otto.

Teilgenommen haben an diesem Projektkurs "José F. A. Oliver", wie er eigentlich heißt, Medine Alfur, Lucas Allerding, Duygu Baysungur, Lena Brandt, Lisa Brümmer, Sherin Brüntgens, Bugrahan Corak, Alicia Draschkowitsch, Salima Lalouch, Alina Lux, Celine Marczinczik, Adrian Matusovsky, Lara Muheddin, Louisa Otto, Mike Seidel, Rayan Semmo, Justin Smoczock, Maja Wagner und Saskia Weichert.

Ein Projekt der Erich Kästner Gesamtschule, des Literaturfestivals "Literatürk" und des Kulturzentrums Grend Essen.

Fotos: Heike Brauckhoff-Zaum und Gerd Schlüter.

Förder*innen der Schreibwerkstatt bzw. der Präsentationen: das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, die Stadt Essen/Kulturbüro, die Kunststiftung NRW, die G.D. Baedeker Stiftung Essen, das Essener Lesebündnis und der Friedrich-Bödecker-Kreis NRW.

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