In zehn Tänzen um die Welt ![]() |
Tanztheater in der Schule? Ein Tanzprojekt mitten im Klassenzimmer? Und das auch noch als Teil des normalen Unterrichts wie soll das gehen?
Es geht, es geht sogar sehr gut, und es setzt einige wesentliche Bewegungen frei. Körperliche Bewegung bleibt nämlich keinesfalls isoliert für sich stehen. Wir kennen das alle. Erfahren wir uns körperlich, sind wir natürlich auch geistig in Bewegung gesetzt; wir lernen uns auch darin kennen, einen Körper und eine sehr eigene Sprache des Körpers zu haben. Nicht wenigen Schülerinnen und Schüler fällt genau dieses Bemerken der eigenen Körperlichkeit schwer. Wie soll man mit diesem komischen Körper auch umgehen können, wenn er zu groß, zu klein, zu schwer oder zu ungelenk erscheint. Meist bemerken Schüler erst mittels Aggressionen, dass nicht nur sie, sondern auch die anderen einen Körper haben. „Weißt du“, hat Rolf Gildenast mir im ersten Gespräch gesagt, „unser Körper sagt mehr über uns aus, als wir von uns denken können.“ Und genau das ist es. Körperliche Bewegung kann Kinder und Jugendliche vor allem auch geistig in Bewegung setzen. Das anzuerkennen, bedeutet auch, ihnen die Möglichkeit zu bieten, sich mittels Bewegungen zu erfahren. Und sie haben sich erfahren, eine Erfahrung gemacht, die schon aus der Perspektive des zuschauenden Lehrers sehr bewegend war. Rolf Gildenast, ausgebildeter Balletttänzer, Choreograph, Schauspieler und Theaterpädagoge, hat die Tanzperformance „In zehn Tänzen um die Welt“ zum Anlass genommen, spielerisch und tänzerisch den verbindenden Moment des Tanzes über alle kulturellen Grenzen hinweg deutlich werden zu lassen. Der russische Schüler wurde plötzlich zur Prinzessin, die spielend leicht auf den Händen des Tänzers ruhte; zwei Schulklassen waren gebannt und sangen begeistert zum Tanz des Theaterpädagogen italienische, brasilianische und auch chinesische Lieder. Ob sie all das verstanden haben? Ja, das ist es eben, es hat ein jeder der annähernd 60 Schüler begriffen, dass wir einander auch ohne Worte verstehen. Die Klassen 5d und 6d jedenfalls waren begeistert, und mögliche Ängste im Umgang mit sich; mögliche Befangenheiten, so etwas wie eine Bühne zu betreten, kamen erst gar nicht auf. Dass ist umso erfreulicher, als im Anschluss an die Tanzperformance die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5d in den Wochen bis zu den Osterferien mit Rolf Gildenast eine eigene Choreographie erarbeiten werden. Und diese Erarbeitung findet nicht etwa nur im Klassenzimmer, sondern integriert in den Schulalltag statt; verbindet etwa den Deutschunterricht mit der Auseinandersetzung mit Kunst; söhnt Fächer wie Sport mit Fächern wie Musik aus; öffnet einen Unterricht dahingehend, dass Schülerinnen und Schüler eben ganzheitlich erfasst werden. Nicht nur als Kinder, die zu lernen haben, sondern als Menschen, die sich erfahren, indem sie sich als Körper kennen lernen. Unser Körper sagt eben doch weit mehr über uns, als wir uns denken können. (Peter Gutsche, Klassenlehrer der Klasse 5d) |
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