Chiapas – Ausstellung

Der lange Weg vom Schmerz zur Hoffnung

Ganz schön fremd war das. So anders und außerhalb dessen, was man eigentlich gewohnt ist. Eine Ausstellungseröffnung, wie man sie nicht alle Tage erlebt. Mit großer Aufmerksamkeit folgten die Oberstufenschülerinnen und -schüler der Erich Kästner-Gesamtschule dem, was ihnen die Essener Ärztin Beate Zimmermann zu sagen hatte. Der lange Weg vom Schmerz zur Hoffnung – Momentaufnahmen aus dem Leben der indigenen Bevölkerung in Chiapas/Mexiko heißt die bis zum 4. Juni dauernde Ausstellung, die sie am 17. Mai 2004 im Oberstufentrakt der Schule eröffnete. Sie zeigt Bilder aus dem Alltag der Indios in Südmexiko, sie dokumentiert den Aufstand der Zapatisten, der vor zehn Jahren Schlagzeilen machte, und weist darauf hin, was sich seitdem geändert hat.
Beate Zimmermann hat die Ausstellung konzipiert. Sie weiß um die gegenwärtige Situation der Indios in Chiapas. Sie unterstützt seit vielen Jahren den Aufbau einer autonomen Gesundheitsversorgung in den Indiodörfern und reist deshalb regelmäßig dorthin. Ein Glücksfall für die Schülerinnen und Schüler der Erich Kästner-Gesamtschule, erhielten sie doch praktisch aus erster Hand Auskunft darüber, was dort am anderen Ende der Welt passiert.
Abbildungen links oben und links unten zeigen Fotos aus der Ausstellung.

Rechts oben ist Beate Zimmermann bei ihrem Besuch an der EKG zu sehen.

Deutlich wurde: das, was in Chiapas geschieht, geht uns direkt an – eine Folge der Globalisierung. Die fünfhundert Jahre der Unterdrückung der Indios sind nicht vorbei. Es gibt neue Formen der Unterdrückung, subtilere, aber genauso wirksam wie die alten. So erhalten die Indios beispielsweise keine Elektrizität, obwohl auf dem Land, das sie besiedeln, große Staudämme gebaut werden. Sie werden auch nicht an den Gewinnen beteiligt, obwohl große internationale Konzerne ihre Heilpflanzen gentechnisch präparieren und sich patentieren lassen.

Davon profitieren auch wir! Ein unhaltbarer Zustand, der dadurch zustande kommt, dass hier Welten aufeinanderprallen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können.
Beate Zimmermanns Bericht warf viele Fragen auf: Wie gehen wir mit Menschen um, die kein Privateigentum kennen und ihren Besitz nicht wie wir vertraglich absichern? Die nicht nach dem Nutzen für den einzelnen, sondern nach dem der Gemeinschaft fragen? Die in ihrer Grammatik kein Objekt kennen und wohl auch deswegen niemanden zum Objekt machen können? Wie können diese Menschen am Weltgeschehen teil haben, ohne dass ihre Kultur zerstört wird? Sollen sie sich uns anpassen? Ist von ihnen Anpassung zu fordern nicht Ausdruck unserer Unfähigkeit, mit diesen Menschen in einen wechselseitigen Dialog zu treten? Oder betreiben wir in Wirklichkeit eine kaschierte Machtpolitik, die sich an unseren wirtschaftlichen Interessen orientiert?

Was können wir tun? Wer hat das Recht zu sagen, wohin sich die Menschheit entwickeln soll? Fragen über Fragen und nur wenige Antworten. Starker Tobak für die Jugendlichen, doch müssen sie die Antworten finden, die richtungweisend sein werden für unsere Gesellschaft.

Eine Ausstellung, die nachdenklich machte und uns in Frage stellte. Echt lohnenswert!

Artur Nickel

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