Jugendliche arbeiten als Lektoren

Ein Projekt mit dem Bochumer Autor Peter Märkert
und dem Geest-Verlag

Ungewöhnliche Wege beschreitet die Erich Kästner-Gesamtschule mal wieder, um ihre Schülerinnen und Schüler voranzubringen. Der Jugendbuchautor Peter Märkert aus Bochum ( Revolte in der Kastanienallee, Geest-Verlag, Vechta – Langförden 2003 ) stellte einem Deutsch – Kurs aus dem neunten Schuljahr vorab das Manuskript seines neuen Romans Drogen, Knast und Liebe zur Verfügung. Die Jugendlichen sollten in die Rolle von Lektoren schlüpfen und das Werk auf seine Drucktauglichkeit hin überprüfen. Für den schöngeistigen Autor ist der Lektor vielfach erster Leser des Manuskripts, Berater für Umarbeitungen, Verdeutlichungen, Kürzungen u. a. und überhaupt erster Widerpart, dem der Autor seine Absichten verdeutlichen muss. So sagt es das Sachwörterbuch der Literatur, und damit war auch die Aufgabe, die sich den Neuntklässlern stellte, formuliert. Ob sie das leisten können? Natürlich! Da, wo sie Fachleute sind, wo es um ihre Angelegenheiten geht, um das, was sie erfahren, denken und fühlen. Darüber hinaus können sie auf jeden Fall sehr viel lernen. Und zwar bis hin zu Rechtschreibung und Zeichensetzung.
Schülerkommentare zum Projekt

Tareq S.: Gut fand ich, dass wir die Möglichkeit hatten, ein nicht veröffentlichtes Buch zu bearbeiten. Es war zunächst schwer, aber dann bin ich gut hineingekommen. Außerdem haben wir einen neuen Beruf kennen gelernt.

Sara S.: Mir hat gefallen, dass wir erst alleine und dann in Gruppen gearbeitet haben. Auf diese Weise konnte man seine Stärken nutzen, aber auch sehen, ob man Fehler übersehen hat.

Marie S.: Schön war, dass wir unter uns arbeiten konnten. Alles war viel lockerer, es gab keine angespannte Atmosphäre.

Daniel A.: Ich glaube, dass ich jetzt besser auf die Struktur einer Geschichte achte, aber auch auf die Grammatik und die Rechtschreibung.

Janine G.: Aufgefallen ist mir, dass Peter Märkert das, was wir kritisiert haben, einfach so hingenommen hat. Es hat mich erstaunt. Ich habe nicht erwartet, dass er uns so ernst nimmt.

Und der neue Roman von Peter Märkert? Zu ihm erklärt Jenny K.:

Ich glaube, der Roman Drogen, Knast und Liebe wird sehr gut. Wir haben zwar im 8. Schuljahr schon eine Projektwoche zum Thema Drogen gehabt, doch habe ich durch ihn eine Menge Neues gelernt. Vor allem dadurch, wie Michael mit seiner großen Liebe Sonja einen Weg aus der Drogensucht findet!

All diese Schüleräußerungen zeigen: Solche Projekte wie das Lektorenprojekt bringen die Schule in Bewegung. Raus aus dem Glashaus! Lernen am „richtigen“ Leben! Die Jugendlichen ernst nehmen! Das ist nach PISA ein Schritt zu einer besseren Lernkultur. Der Feuereifer, mit dem die Neuntklässler diese Aufgabe gemeistert haben, spricht dafür! Danke schön, Peter Märkert!

Peter Märkert nahm die Schülerinnen und Schüler ernst, er forderte von ihnen die Übernahme von Verantwortung. Entsprechend waren seine Erwartungen: Schaut bitte: Sind die Charaktere richtig getroffen? Habe ich verständlich geschrieben? Stimmen die sprachlichen Bilder? Passt die Jugendsprache? Ganz schön, was er da verlangte!

Und die Neuntklässler? Sie überlegten erst einmal, wie sie das Projekt realisieren konnten. Was können wir gut, was nicht? Welche Arbeitsformen müssen wir wählen, um das Pensum zu bewältigen? Wie können wir unsere Stärken zur Geltung bringen, wie unseren Schwächen begegnen? Was sie bei diesem Projekt erwartete, das wussten sie; hatten sie sich doch im Vorfeld intensiv mit dem Berufsbild von Lektoren auseinander gesetzt. Sie fanden einen Weg, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden: gemeinsames Arbeiten zum Einstieg, dann Aufteilung in Gruppen, die die einzelnen Kapitel untersuchen und sich gegenseitig kontrollieren. Was nicht zu klären ist, wird im Plenum besprochen.

Dann machten sich die Jugendlichen an die Arbeit. Sehr schnell ging es richtig zur Sache. Das ist klischeehaft formuliert! Das ist nicht unsere Sprache! Hier muss etwas gestrichen werden. Das ist zu lang! Hier sollte etwas ergänzt werden, sonst ist das Dargestellte unverständlich! Oder? Stimmt die Komposition, die Anlage der Figur? Und ... und ... und... Lob und Kritik wechselten einander ab. Viel Stoff für Diskussionen, selbst wenn es nur um ein Komma ging.

Erstaunlich, was Jugendliche leisten können und wie sachgerecht sie arbeiten, wenn sie sich ernst genommen sehen. Eine für den Lehrenden bemerkenswerte Erfahrung!