Klamms Krieg

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KulturGespräch

Schüler machen Lehrer fertig

Staatsschauspiel Dresden
zu Gast in der
Erich Kästner-Gesamtschule

Eine ganze Klasse erklärt einem Lehrer den Krieg. Lehrer Klamm, in die Enge getrieben, schießt zurück. Mit Worten, mit Taten, mit Beleidigungen. Daniel Minetti spielt den Lehrer Klamm in dem Einpersonenstück von Kai Hensel. Er überzeugt in der Rolle des Lehrers, dessen Schüler Sascha durchs Abi gefallen ist, weil er von Klamm den fehlenden Punkt nicht bekam. Minetti argumentiert, biedert sich an, schimpft und entwürdigt seine Schüler. Diese haben ihm den Krieg erklärt, weil sie davon überzeugt sind, dass Sascha sich wegen seines Schulversagens erhängt hat.
Minetti spielt das Stück in der Inszenierung von Gilbert Mieroph vor einer Schulklasse und macht sie damit zu Mitspielern. Dieses äußerst erfolgreiche theaterpädagogische Experiment des Staatsschauspiels Dresden fand am Donnerstag, den 16.5., in der Erich Kästner-Gesamtschule in Steele statt. Die Deutschkurse der Oberstufe wurden zu Klamms Schülern. Die Zermürbung auf beiden Seiten, der Haß, das Flehen um Liebe treibt Klamm zu immer absurderen Reaktionen. Er schreit Obszönitäten aus dem geöffneten Fenster, er fuchtelt mit der Pistole vor der Klasse rum, er betrinkt sich hilflos. Durch sein facettenreiches Spiel zieht Minetti die Schüler in seinen Bann. Er reagiert spontan auf Äußerungen, bezieht die Schüler, den Klassenraum in sein Spiel mit ein und liefert so ein überzeugendes Psychogramm eines Lehrers, der an seinen Idealen verzweifelt.
Die subtile tägliche Gewalt, die mögliche Eskalation bis zum Schußwaffengebrauch hat natürlich nach dem Schulattentat in Erfurt traurige Realität gewonnen. Dies wird auch in der anschließenden Diskussion deutlich, in der Daniel Minetti und die Theaterpädagogin Maike Döschner sich den Fragen der Schüler stellen. Immer wieder dreht sich das Gespräch um die Frage, wie eine menschen-, eine schüler- und lehrergerechte Schule aussehen soll, aussehen kann. Verträgt die Schulsituation offene Emotionalität oder ist die Schule eine reine Maschine zur Vermittlung von Wissen? Solche Fragen gehören öfter diskutiert, um die Rolle der Schule in unserer Gesellschaft zu bestimmen. Der Dresdener Truppe ist es in hervorragender Weise gelungen, in der aktuellen schulpolitischen Diskussion wichtige kulturelle Akzente zu setzen.

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