Fremd und doch daheim?!

Ein gutes Buch! Ein wichtiges Buch! Ein brisantes Buch!

Und wieder ist die EKG an vorderster Front dabei!

Viele Schülerinnen und Schüler schrieben Texte!

Artur Nickel ist Mitherausgeber!

Es war schon ein tolles Gefühl zu sehen, wie sich die Reihen füllten, wie mehr und mehr Stühle herbeigeschleppt wurden, um all den Menschen Platz zu bieten, die die Buchpremiere von fremd und doch daheim am 8.11.2005 in der Mayerschen Buchhandlung in Essen miterleben wollten. Ganze Familien kamen - unter ihnen viele von der EKG - , Väter, Mütter, Kinder, ein buntes Bild, wie es die Mayersche Buchhandlung wohl so noch nicht gesehen hatte. Vielen sah man es an, dass sie nicht aus Deutschland stammten. Und manch ein Besucher hatte wahrscheinlich zuvor noch nie eine so große Buchhandlung von innen gesehen. Doch sie alle kamen, stolz darauf, was ihre Kinder geschafft hatten: an einem Buch mitzuarbeiten, das das aufgriff, was sie bewegt und umtreibt.

Was war geschehen? Gemeinsam mit dem Geest-Verlag aus Vechta hatte die KulturLernwelt Essen in diesem Jahr einen Schreibwettbewerb veranstaltet. Die Kinder und Jugendlichen aus Essen sollten aufschreiben, wie sie sich in ihrer Heimatstadt fühlen, was sie erleben und wie es ihnen geht. Angesprochen wurden diejenigen, die mit ihren Eltern nach Essen gezogen oder zugewandert sind, genauso wie die, die schon immer in dieser Stadt wohnen. Nun war es also da. Ihr Buch.

Bemerkenswert sind schon die Titel der Texte, die die Jugendlichen bei der Premiere gelesen haben: fremd und doch daheim ( Veronika Effling ), stadt der gegensätze ( Annika Conrad ), Es liegt an den Menschen ( Wilhelm Eisfeld ), Ich sehe mich als Deutsche ( Riti Makkar ) oder neugeboren an einem ort ( Hadel Alshahwani ). Es sind Gedichte, kleine Prosastücke wie auch Berichte. Zum Teil erschütternd, zum Teil bewundernswert. Sie alle zeigen exemplarisch, wie es den jungen Menschen in Essen geht. Sie zeigen, wie tief die Brüche sind, die sie erfahren haben. Sie zeigen ihre Skepsis, ihre Unsicherheit, aber auch ihren Willen, das Leben in die Hand zu nehmen, um eine selbstbestimmte Zukunft zu gewinnen. Das unterstrich auch der Essener Bürgermeister Herr Kleine – Möllhoff in seinem Grußwort. Essen ist ein Beispiel. Wie hier empfinden junge Menschen auch anderswo. Insofern kann die Stadt damit, wie sie sich für sie engagiert, ein positives Beispiel geben. Ein hoher Anspruch und eine Herausforderung zugleich!
oben:
Die beiden Herausgeber: Friederike Köster und Artur Nickel
freuen sich mit den jungen Autoren über die gelungene
Premiere.
Deutlich ist: die Jugendlichen brauchen die Unterstützung der Erwachsenen. Diejenigen, die nach Deutschland eingewandert sind, wie auch die, die schon immer hier leben. Sie brauchen Menschen, die ihnen vermitteln, dass sie willkommen sind und die ihnen selbst da, wo sie Schwierigkeiten haben, mit Herzenswärme begegnen. Die ihnen Orientierung bieten und ihnen Brücken bauen. Die mit ihnen einen echten Dialog führen, aber diesen auch von ihnen fordern, und zwar auf allen Ebenen. Ganz persönlich. Wir brauchen in Deutschland keine Leitkultur, sondern ein Leitprinzip. Es ist das des Dialogs. Das ist der Weg, wie Jugendliche integriert werden können, ja, wie eine ganze Gesellschaft ihre Mitte findet und Zukunft gewinnt. So entsteht Kultur, lebendige Kultur. Alles andere führt zu Unkultur.

Eine Buchpremiere, die es in sich hatte, zumal es in Frankreich seit Tagen zu schweren Ausschreitungen von Jugendlichen kommt. Ein Buch, das es sich zu lesen lohnt! Und eine heiße Empfehlung für jeden, der es mit jungen Menschen zu tun hat und sich für sie interessiert!

(Hg.) Friederike Köster, Artur Nickel: Fremd und doch daheim?! Kinder und Jugendliche zwischen den Kulturen, Vechta 2005 ISBN 3-937844-99-6

Dass das Buch seine Aktualität auch nach der Premiere nicht verliert, zeigen weitere Lesungen - z.B. im Sommer 2006 im Grillotheater.

Und im Herbst 2006 erscheint ein weiterer Band
Und dann kam ein neuer Morgen

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