Ein Gefühl von Freiheit

Ein Bürgerrechtler der ehemaligen DDR zu Gast in der EKG

"Die Wände stellen die Grenzen der DDR dar.
Grenzen dürfen nicht übertreten werden.
Die DDR - ein Friedensstaat im Herzen Europas.
Für alle gilt: Alles geschieht zum Wohle des Volkes!"

Es war schon eine besondere Geschichtsstunde, die der Bürgerrechtler Udo Scheer aus der ehemaligen DDR am 12.2.07 den 11ern an der Erich Kästner-Gesamtschule bescherte. Ein Anschauungsuntericht, der deutlich machte, wie die DDR-Diktatur funktionierte, wie Diktaturen funktionieren.

Sehr schnell kippte das Spiel. Es wurde ernst. Ganz schön bedrückend, wie Jugendliche für die Stasi "geworben" und Informationen "abgeschöpft" wurden. Wie Jugendliche für die "gute" Sache gegeneinander ausgespielt und als IMs gegen ihre Eltern, Lehrer und Freunde eingesetzt wurden. Udo Scheer sprach aus eigener Erfahrung, war er doch in Jena Mitglied im 1975 verbotenen Arbeitskreis Literatur. Zu seinem Freundeskreis gehörten Oppositionelle wie Rainer Kunze, Lutz Rathenow, Günther Ulmann und Jürgen Fuchs. Kein Wunder, dass die Stasi jeden seiner Schritte argwöhnisch beobachtete. Selbst harmlose Gedichte waren in ihren Augen gefährlich.
Beklemmend war für die 11er aber vor allem, was Udo Scheer über Jürgen Fuchs erzählte, der sich nicht scheute, DDR-Tabuthemen wie den Selbstmord in der Nationalen Volksarmee und die Techniken der Stasianwerbung anzusprechen. Wie übel ihm die Stasi mitspielte, wie sie ihn zur Ausreise zwang und auch danach noch verfolgte, wird Udo Scheer demnächst in einer Biographie darlegen.
Eine Lehrstunde in Sachen Demokratie also, die die 11er sicherlich so schnell nicht vergessen werden!

Artur Nickel

Nicht nur schulintern war dieses Thema interessant. Die Presse berichtete - wie schon so oft - über diese ungewöhnlichen Unterrichtsaktivitäten.

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