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Unser Schülersprecher

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Yousef Rezek, Schülersprecher im Schuljahr 2008/09 

 

 

Eine überlieferte Lebensgeschichteund die Überwindung eigener Grenzen

Bevor ich euch etwas über meine Grenzen erzählen werde, würde ich mich gern erst einmal vorstellen wollen. Ich erblickte am 21.10.1989 mit einem Gewicht von 4300 Gramm und einer Größe von 56 cm mit dem Namen Jousef Rezek, den mir meine Eltern gaben, das Licht der Welt.In Aachen geboren und mit drei Brüdern und einer Schwester aufgewachsen, mit denen ich bis zum 12. Lebensjahr viel Zeit verbrachte, waren meine Grenzen teils stark begrenzt zu dieser Zeit. Mit anderen Worten, es waren meine Eltern, die mir sagen und aufzeigten, wo meine Grenzen lagen. Eine solche Grenze war zum Beispiel, dass ich bei Sonnenuntergang zu Hause sein sollte. Ich bin der jüngste Sohn meiner Familie, nach mir folgte schließlich drei Jahre später meine einzige Schwester mit dem Namen Amira. Die Grenzen meiner Eltern zeigten sich wohl mit der Geburt des fünften Kindes. Damals, in meiner Schulzeit, hätte niemand damit gerechnet, dass ich jemals die gymnasiale Oberstufe besuchen werde. Nicht einmal meine ehemaligen Lehrerinnen, die darüber gelacht und gegrinst haben, als ich sagte: „Ich möchte später mein Abitur machen.“ Durch einen Schulwechsel von der Gesamtschule in die Hauptschule gelang es mir alle Erweiterungskurse zu ergattern und schließlich meine Zulassung für die gymnasiale Oberstufe zu erlangen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das einzigartige Gefühl, das mir mein ganzes Leben vorenthalten worden ist: Es war das Gefühl, eine große Grenze, ja meine Grenzen überschritten zu haben!

Die Grenzen meines Heimatlandes münden an Israel und Syrien. Dieses Land, bekannt als die Schweiz des Orients oder das Paris des Nahen Ostens, nennt sich der Libanon. Meine Eltern haben die Grenze Libanons im Jahre 1986 verlassen, um uns, ihren Kindern und Nachkommen ein besseres Leben zu ermöglichen. Diese Entscheidung hatte natürlich positive wie auch negative Züge an sich. Zum einen wird man kostenfrei in die Schule integriert und gefördert im Gegensatz zum Libanon. Zum anderen entstehen sehr schnell Vorurteile, wenn man anders denkt, aussieht oder ganz einfach ursprünglich aus einem anderen Land kommt. Ich glaube, dass Vorurteile eine Vorstufe des Rassismus sind. Meinem Erachten nach wäre es empfehlenswert, wenn sich jeder als Kosmopolit bezeichnen würde. Dies würde eher ein Gefühl der Gemeinsamkeit hervorbringen als wenn jemand sagen würde: Ich bin Türke, Pole, Russe, usw. Zwar wären nicht alle Vorurteile damit abgeschafft, wenn man sich als Kosmopolit bezeichnen würde, aber man wäre ein Schritt weiter in die richtige Richtung geschritten. 

Jousef Rezek, Text aus: "GEWICHTSPROBLEME - SELBSTaussagen zum RASSISMUS", S. 147