Zentralabitur NRW 2007
- ein Rückblick
In diesem Jahr wurde das von Schülern und Lehrern mit Spannung erwartete erste Zentralabitur in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Viele besorgte Fragen waren im Vorfeld gestellt worden: Würden die Schülerinnen und Schüler gut genug auf den gesamten, durch vereinheitlichte Curricula vorgegebenen Stoff vorbereitet sein? Würden sie sich dem Anforderungsniveau jeweils gewachsen zeigen? Würden die erreichten Leistungen denen der Vorjahre entsprechen oder würden sich Veränderungen ergeben?
Nach den Sommerferien wuchs die Spannung wieder, denn nun sollte durch das Schulministerium die landesweite Auswertung der Abiturergebnisse veröffentlicht werden. Zunächst wurde eine Übersicht über die erreichten Gesamtdurchschnitte (= Durchschnitt aller jeweils erreichten Abiturdurchschnittsnoten) gegeben, wobei als Vergleichswerte diejenigen des Vorjahres dienen:
Im Ergebnis konnten keine größeren Abweichungen festgestellt werden, weder zwischen den Abiturjahren 2006 und 2007 noch zwischen den Schulformen. Die Abweichung zur Schulform Gymnasium betrug also im Zentralabitur 2007 mit 0,26 weniger als eine Drittel Note, das ist zum Beispiel weniger als der Unterschied zwischen „befriedigend (3)“ und „befriedigend plus (3+)“. Der vom Schulministerium so betonte Unterschied zwischen den beiden Schulformen schmilzt demnach bei näherer Betrachtung zu der Differenz zwischen einem besseren und einem schwächeren „befriedigend plus (3+)“.
Dieses Resultat, das den Ergebnissen der letzten Jahre entspricht, bescheinigt den Gesamtschulen auch unter den Bedingungen des Zentralabiturs eine ganz ausgezeichnete Arbeit. Die geringfügige Differenz resultiert aus der Tatsache, dass die Gesamtschule nicht nur leistungsstarke Schülerinnen und Schüler zu einem gleichwertigen Abitur bringt, sondern darüber hinaus auch besonders geeignet ist, Kinder aus bildungsfernen Schichten zum Abitur zu führen, die von zu Hause nur wenig Hilfestellung erfahren und, im Gegensatz zu sehr vielen Gymnasiasten, sich in der Regel eine außerschulische Unterstützung durch Nachhilfelehrer nicht leisten können.
Dass diese Absolventen nicht alle den Notendurchschnitt erbringen können wie die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums, liegt bei einer fairen Betrachtung auf der Hand.
Gymnasien haben im Schnitt ca. 5% Kinder mit Migrationshintergrund in ihren Oberstufen, die Gesamtschulen i.d.R. mindestens 30%. Wenn man weiterhin bedenkt, dass die Gymnasien fast ausschließlich die leistungsstärkeren Kinder aus den Grundschulen aufnehmen, von diesen auf dem Weg bis zum Abitur durchaus ein Drittel durch Sitzenbleiben und Abschulen die Schule verlassen muss, dann überrascht es sehr, dass sich die Durchschnittsnoten an Gymnasien und Gesamtschulen nicht stärker voneinander unterscheiden. Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und Jugendliche aus bildungsfernen Schichten, die häufig von der Realschule und auch von der Hauptschule in die Gesamtschuloberstufe wechseln, werden nicht nur „durchgeschleppt“, sondern durch intensive Förderung, Beratung und Betreuung zum Abitur gebracht. Die Gesamtschule wirkt damit der in Deutschland konstatierten Abhängigkeit der Bildungschancen von der sozialen Herkunft deutlich entgegen.
Und so war auch in diesem Jahr an Gesamtschulen die Freude über Abiturientinnen und Abiturienten mit einer „1“ vor dem Komma der Abiturdurchschnittsnote groß, aber genauso groß war die Freude über diejenigen, bei denen vielleicht „nur“ eine „3“ vor dem Komma stand, aber die ebenso Großes geleistet hatten, weil sie z.B. als Spätaussiedler erst in der 8. Klasse nach Deutschland gekommen waren oder in einer Familie mit Migrationshintergrund, oder aus bildungsfernen, sozial schwachen Schichten stammend als Erste überhaupt das Abitur geschafft hatten.
Damit steht fest, dass Schülerinnen und Schüler an der Gesamtschule auch unter den Bedingungen der zentralen Abiturprüfung 2007 den gleichen Erfolg und vergleichbare Leistungen erreicht haben wie in den Jahren vorher.
Lehrerinnen und Lehrer der Gesamtschulen können stolz darauf sein, nicht nur ihre leistungsstarken Schülerinnen und Schüler zu guten und sehr guten Ergebnissen zu führen, sondern darüber hinaus mit ihrer erfolgreichen Arbeit Bildungsreserven zu erschließen und so den Forderungen der OECD sowie deutscher Wirtschaftsverbände nachzukommen, den Anteil der Abiturientinnen und Abiturienten in Deutschland zu erhöhen. Gesamtschulen leisten somit den Löwenanteil an Integration und Förderung von benachteiligten Jugendlichen und einen entscheidenden Beitrag zur Hebung der Bildungsreserve und Ausbildung qualifizierter Arbeitskräfte für die Wissensgesellschaft.
aus: Mitteilungen der Schulleitervereinigung Gesamtschulen NRW
gekürzte Fassung



