"Ich sehe was, was du nicht siehst!"
Kinder führen Kinder

"Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist …"
So oder doch so ähnlich beginnen Führungen für junge Museumsbesucher seit einem Jahr im Museum Folkwang.
Das Projekt, in dem das geschieht heisst „Kinder führen Kinder“ und Laura, Schülerin der EKG (links im Bild), macht dabei mit. So ist sie eine richtige Expertin geworden in Sachen Kunst und Museen.
Vor einigen Monaten hatte sich eine Gruppe von Kindern auf eine Einladung des Museums gemeldet. Unter museumspädagogischer Anleitung hatten sie sich ausführlich vorbereitet, anderen Kindern Bilder zu zeigen, die im Museum hängen.
Jeweils zu zweit zeigten sie interessierten Kindern ihre Lieblingsbilder im Museum Folkwang. Ungestört durch Erwachsene konnten die Kinder auf diese Weise ihren eigenen Zugang zur bildenden Kunst entwickeln und sich, geleitet von ihren persönlichen Vorlieben und Wahrnehmungen, darüber austauschen.
Doch laßt Euch von Laura selbst erzählen, was sie erlebt hat:
Unsere Vorbereitungszeit
Ich will jetzt nicht einen Tag beschreiben, dann könnte ich mich nicht entscheiden, es war jeder Tag aufregend. Also erzähle ich jetzt über die Zeit allgemein:
Wir haben uns erst einmal kennengelernt und unsere Notizbücher gekriegt und Fotos für unsere Ausweise geknipst.
Wir haben uns die Bilder angeschaut und über sie gesprochen. Wir haben einen Grundriss des Museums bekommen und durften uns im Museum eine Postkarte aussuchen. So füllte sich unser Notizbuch.
Manche werden sagen, dass es langweilig ist Bilder zu betrachten. Das war es aber nicht! Wir hatten soooooooo viel Spaß miteinander und Monika (Lahme-Schlenger) kann das gut, ich meine, Führungen lustig gestalten. Wir haben uns dann Bilder ausgesucht, besprochen und Informationen bekommen. Mittlerweile kennen wir fast alle Bilder auswendig oder können etwas darüber erzählen.
Aber genug dergleichen, kommen wir doch mal zu den Führungen.
Als erstes lernten wir das Museum kennen. Wir durften im Museum herumlaufen und uns alle Bilder anschauen. Als wir uns danach im Gartensaal trafen, schrieb Monika auf, welches Thema wir bearbeiten wollten und welche Bilder wir dazu führen wollten. Manche haben das Thema „Tiere“ oder „Landschaften“ genommen. Zum Thema „Landschaften“ hatte man sich Bilder mit Landschaften herausgesucht. Mein Thema hieß „Mensch und Tier“. Monika schrieb sich das alles auf und wir aßen Kekse und tranken Sprudel.
Monika suchte uns dann zum nächsten Treffen Informationen zum Künstler und zum Bild heraus. Wir sollten sie uns nur anschauen und so viel wie möglich behalten. In der nächsten Zeit besprachen wir Bilder und lernten sehr viel. Wir haben Postkarten besprochen und so weiter ...
Die Generalprobe:
Bei der Generalprobe habe ich mit Jacqueline geführt und wir waren sehr aufgeregt, schon als wir im Museum ankamen. Als die Kinder vor uns saßen und wir sie begrüßten, habe ich fast keinen Ton heraus bekommen. Ich wäre am liebsten wieder nach Hause gefahren. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Kinder uns auslachen würden und sie guckten uns auch immer so komisch an. Aber wir dachten uns, wenn wir das noch nicht so gut gemacht haben, dann konnten wir da ja nichts dafür, denn wir haben das ja zum ersten Mal gemacht. Also wenn wir uns mal versprochen haben sollten - was bestimmt auch mal passiert ist -, dann hätten die uns nicht gleich auslachen müssen.
Da Jacqueline und ich dasselbe Thema, nämlich "Phantasie" und somit auch die selben Bilder hatten, war es etwas einfacher für uns. Und so hatten wir auch ein bisschen mehr Zeit für die Bilder.
Da die Kinder sich so selten gemeldet hatten, war das kein großes Problem. Ich hoffe mal, dass das nicht an uns gelegen hat. Aber wir haben manchmal ein paar Kinder dran genommen, damit überhaupt mal jemand etwas sagt. Ein paar haben dann auch mal mehr gesagt. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass ein paar Kinder nicht in der Lage waren, die einfachsten Fragen zu beantworten. Das ist jetzt nicht böse gemeint, es ist mir nur immer wieder aufgefallen. Zum Beispiel: Was siehst du auf dem Bild, oder was sind die Hauptfarben????
Ich glaube auch, dass die Kinder uns bei dem Bild „Die Landschaft“ von Joan Miro auslachten, weil wir ziemlich viel Mist geredet haben. Natürlich gehört zu so einer Sache auch viel Phantasie und wenn dieses Bild nichts mit Phantasie zu tun hätte, hätten wir es natürlich auch nicht genommen. Auf dem Bild war ein Vogelkopf zu sehen und da hing ein Dreieck dran, so eine Art von Klotz. Jacqueline hat dann gesagt, so etwas gibt es doch auch bei IKEA und dann meinten natürlich alle, lachen zu müssen. Außerdem hat Jacqueline gesagt, dass der braune Fleck aussieht wie eine Cola-Quelle, weil Cola ja auch immer so sprudelt und auch so aussieht.
Es war ja eigentlich noch gar nicht die erste Führung, sondern die Generalprobe. Wir waren danach nicht zufrieden mit uns und die Führung war auch wirklich nicht die Beste. Aber dafür, dass wir da zum ersten Mal fremde Kinder geführt haben, war sie OK. Dann sind wir zurück gegangen und wir haben gefragt, ob wir irgend etwas besser machen könnten. Da meinten die Kinder: „ Nein, ihr habt alles gut gemacht.“ Ich frage mich, ob sie uns wirklich das sagten, was sie dachten. Dann brachten wir die Kinder zurück in die Eingangshalle und die Generalprobe war zu Ende.
Bei unserer Führung war noch ein älteres Mädchen dabei ,die im letzten Jahr mit bei "Kinder führen Kinder" dabei war. Sie hat uns Tipps gegeben, was wir besser machen könnten; zum Beispiel ob wir lauter sprechen oder ob wir uns mehr zu den Kindern drehen sollten. Ich fand das nett von ihr, weil die Kinder uns ja leider nichts gesagt haben. Ich glaube, dass das nicht so gut gelaufen ist, weil wir erstens ziemlich aufgeregt waren und zweitens an diesem Tag zum ersten Mal fremde Kinder geführt haben. Und das war, glaube ich, für uns beide ein etwas größeres Problem.
Ich denke auch mal, aller Anfang ist schwer und inzwischen sind wir bei den Führungen nicht mehr aufgeregt und haben nicht mehr das Problem. Ehrlich gesagt war ich damals wirklich froh, als dann die Führung zu Ende war. Bei der ersten "richtigen"Führung war ich zwar schon noch aufgeregt, aber da kamen nach kurzer Zeit die Wörter wie von selbst.
Meine schwierigste Führung
Meine schwierigste Führung wäre eigentlich nicht schwierig geworden, aber Nils und ich, wir hatten die „Kennenlernrunde“ vergessen, in der sich jeder vorstellen konnte. Die Kinder meldeten sich nicht und verhielten sich nicht konzentriert. Als wir schon mehrere Bilder hinter uns hatten, erzählte Monika uns, dass es bei der anderen Gruppe nicht besser voran ging. Sie meinte, wir könnten etwas ausprobieren, was wir noch nie gemacht hatten. Sie gab mir einen Tipp und wir probierten es gleich aus.
Ich fragte die Kinder, zu welchem Thema sie ein Bild besprechen möchten, und ein kleines Mädchen wollte etwas über Rom besprechen. Wir wussten, wo ein römisches Bild hing und ließen das Schild, was neben dem Bild hing abwechselnd vorlesen. Ein Kind wollte ein Bild über Tiere, ein anderes wollte zu einem Bild mit einem Pferd. Wir sagten uns , ein Pferd ist ein Tier und gingen zu einem Pferdebild. Dort erzählte uns ein kleines Mädchen etwas Kompliziertes über Farben.

Die Führung hatte sich in eine gute Führung verwandelt und das Experiment war gelungen.
Gespräch mit der Restauratorin
Wir trafen uns mit der Restauratorin und sie zeigte uns ihren Arbeitsplatz. Wir duften Bilder mit einer Lupe anschauen (siehe Foto rechts) und sie sehr viel fragen. Sie zeigte uns alte Fliesen, die neu angekommen waren. Danach fuhren wir mit dem Lastenaufzug nach oben zu einem überdachten Platz, wo die Lastwagen die Bilder bringen und holen konnten.
Dann gingen wir auch noch in die Ausstellung. Um uns die Bilder anzusehen.
Zur Zeit (2007/08) wird das Museum Folkwang umgebaut.
Die Arbeit des Museums und auch der Museumspädagogen geht aber, wenn auch eingeschränkt, weiter.
Infos gibt es auf der Homepage des Museum Folkwang und bei den Museumspädagogen.



