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Start Arbeitsschwerpunkte Schule gegen Gewalt - Schule gegen Rassismus (Erste) Bilder einer Ausstellung - gezeichnete Kinder

(Erste) Bilder einer Ausstellung - gezeichnete Kinder

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VENAVIS - gezeichnete KINDER

(Erste) Bilder einer Ausstellung (noch im Klassenraum der 6F)

Seit einem halben Jahr haben sich die Kinder der Klasse 6F sehr beeindruckend und beeindruckt mit einer für europäische Verhältnisse womöglich sonderbar erscheinenden Form von Trauerarbeit beschäftigt.

Als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" gibt es programmatisch an der Erich Kästner-Gesamtschule wenig Berührungsängste mit Alltags- und Familienkulturen anderer Kulturen. Für mich als Lehrer sollte es diese Berührungsängste nicht geben, da der Einblick in verschiedene Alltagskulturen meiner Schüler immer auch lebbare, halt andere Konzepte von einem Miteinander, von einem Umgang mit Angst, Trauer und Tod bedeutet. Manchmal ist dann ein anderer Umgang gar nicht so anders, sondern ganz naheliegend.

So gibt es in Westafrika eine Tradition und eine gelebte und verlebendigte Erinnerungskultur, die die Ausstellung VENAVIS - gezeichnete KINDER in einem Essener Klassenzimmer fast zwangsläufig hat entstehen lassen.

Eine Venavi erinnert an ein Kind, wird aus Holz geschnitzt, um dann stellvertretend für den Verlust eines Kindes inmitten einer Familie vollkommen gleichberechtigt in der Familie umsorgt zu werden. Kleine, hölzerne Stellvertreter, die als Erinnerungsobjekt in der Familie leben, die gewaschen, gereinigt, geschmückt und rituell gespeist werden. Venavis zeugen von keiner abstrakten Trauer um Kinder und von Kindern, sie spiegeln keinen tabuisierten Verlust, weil der Schmerz derart weh tut, dass er taub und sprachlos bleiben muss, sondern sie sind konkrete, fühlbar zu erfassende Medien. 

Mit diesen Venavis konfrontiert, wurde recht schnell klar, dass Kinder immer auch mit Trauer konfrontiert sind; ja dass Kindern manchmal genau eine solche konkrete Form, Trauer überhaupt zuzulassen, fehlt. Der ethische Ansatz der Unterrichtsreihe blieb lange ein primär ästhetischer, d.h. bei einer ausschließlich kreativen Annäherung. Die Kinder zeichneten die Venavis und schufen mittels schwarzer Tusche und Federn Tusche-Zeichnungen. Und doch: Die zeichnenden Kinder schufen gezeichnete Kinder; sie schufen sehr beeindruckende Portraits.

 

Am 26. Januar erhielt die Klasse 6F Besuch.

Erste Bilder der Ausstellung entstanden und ich konnte den Kindern Bernd Köster und Gaby Rettig vorstellen. Als ich Gaby Rettig und Bernd Köster die Kinderzeichnungen vor einem halben Jahr vorstellte, war unsere Begeisterung sich völlig darin einig, dass diese Arbeiten und die Konfrontation mit den Venavis selbst unbedingt ausstellungswürdig sind. Und so lud Bernd Köster als Leiter der Stadtbibliothek in Haltern am See die Kinder kurzerhand ein, um ihnen einen eigenen Ausstellungsraum zu eröffnen und ihnen annähernd sechszig Ausstellungsrahmen zu schenken (die die Kinder derzeit allesamt neu lackieren...). Gaby Rettig, eine längst nicht nur von mir sehr geschätzte ehemalige Kollegin an der EKG, eröffnete spontan vor den Kindern, dass sie gerne eine Schreibwerkstatt, einen Workshop des kreativen Schreibens mit ihnen veranstalten wolle, um über die Zeichnungen hinaus manchem Kind da eine konkrete Sprache zu bieten, die Trauer zulässt, Sprachlosigkeiten behutsam öffnet und Traurigkeit selbst achtsam begleitet.

Geplant ist, dass die Ausstellung VENAVIS - gezeichnete KINDER Ende Mai in Haltern am See eröffnet wird - ob hier noch Texte entstehen, vielleicht sogar eine eigene Publikation; ob die Ausstellung darüber hinaus noch in anderen Räumlichkeiten zu sehen sein wird, wo sie ebenfalls Sinn macht und vielleicht sogar Trost spendet, das alles bleibt noch offen.

Es sind halt (erste) Bilder einer Ausstellung, die am 26. Januar im Klassenraum der 6F entstanden.

Ich möchte mich sehr herzlich bei Bernd Köster für die großzügige "Rahmenspende" bedanken! Und ich möchte - ganz ausdrücklich im Namen beeindruckter und mich und uns beeindruckender Kinder - Gaby Rettig danken, deren Einlassung auf Kinder diesen Kindern mehr als gut.... tun wird.

Peter Gutsche