"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."
(So der Namensgeber unserer Schule)
Frag sich nur, warum (tut man es oder tut es eben nicht)?
Schüler der 12. Jahrgangsstufe evaluieren moralisches Verhalten
und dessen Rechtfertigung bei Schülern des 5. Jahrgangs
Kaum etwas ist so schwer, wie sein eigenes Verhalten zu ergründen oder es gar moralisch-ethisch zu begründen. Menschen handeln meistens eher dem Gefühl nach oder folgen Werten und Normen, die sie schlichtweg als Konventionen verinnerlicht haben und an sich selbst kaum bewusst bemerken. Das ist bei Jugendlichen so, das ist bei Lehrern so, das ist – so der amerikanischer Entwicklungspsychologie Lawrence Kohlberg – bei Kindern in besonderer Weise so.
Die Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs lernen nicht nur ethische Theorien kennen, sondern lernen die Ethik als praktische Philosophie kennen. Und weil Ethik selbst eben praktisch ist, ja zu praktizieren ist (um an Erich Kästner zu erinnern), liegt eine Berührung der verschiedenen Jahrgangsstufen nahe. Einmal mehr haben Schülerinnen und Schüler aus dem Grundkurs Philosophie die Kinder der Klasse 5E mit konkreten und kindgerechten Problemen ihrer schulischen und privaten Alltagswelt konfrontiert. ABER: Sie erfragten nicht allein eine Entscheidung, sondern protokollieren möglichst genau, mittels welcher Argumente da ein Kind einen Konflikt oder ein Problem so oder so löst.
Unter dem Motto „Stell dir folgende Situation vor… Wie handelst du und warum?“ galt es, die Antworten der Kinder den Behauptungen der Theorie Kohlbergs zuzuordnen – und es kam zu erstaunlichen Antworten und durchaus zu erstaunlichen Fragen der Kinder. Manche von ihnen bewiesen in ihrem Entscheidungs- und Konfliktverhalten, die übergeordnete Idee der Gerechtigkeit selbst bereits eingesehen zu haben. Andere Kinder überraschten die „Großen“, so etwa Daniel Pillath: „Wir waren anders, die sind ja alle hier total ehrlich!“ Die Kinder wiederum überraschten die Großen durch ihre Beobachtungsgabe: „Die 12er sind total nett, ist Jan Obermanns so klug wie stark?“ „Können die nicht noch einmal kommen? Die Negin war total lustig.“ Wenige Rückmeldungen, die eine Idee bestärken!


Nicht nur macht es Sinn, manche Theorie praktisch einmal zu ergründen; vielmehr macht es Sinn, systematischer über eine Berührung der Jahrgangsstufen nachzudenken, ja vielleicht sogar einmal die Idee der Patenschaft zu verfolgen. So wenig Jahre es sind, die da den 12. Jahrgang von dem 5. Jahrgang trennen, so wesentlich sind doch die Veränderungen, die Menschen allesamt in diesen Lebensjahren an sich erleben. Und Kinder da zu begleiten, ja ihnen im Gespräch zu begegnen, womöglich ganz praktisch ihnen zu helfen, das meint nicht nur die Projektarbeit im Fach Philosophie, sondern kann bedeuten, Vorbilder aufzutun, die ganz nahe liegend dort angekommen sind, wo so mancher Fünfklässler vielleicht in sieben Jahren selbst ist. Es gibt halt wirklich nichts Gutes, außer man tut es. Tut man es, weil sich da Schüler mit unglaublich viel Offenheit und Neugier begegnen, kann das alleine nicht schlecht sein.
Peter Gutsche, der sich bei den Gästen aus dem 12. Jahrgang im Namen seiner Klasse 5E bedankt



