Regina van Dinther besucht Erich Kästner-Gesamtschule in Essen
17 bis 19 Jahre alt waren die Schülerinnen und Schüler, welche der Landtagspräsidentin in der Erich Kästner-Gesamtschule in Essen Fragen stellen konnten. Mit dabei war eine ganze Gruppe von Journalisten: zwei junge Zeus-Reporter aus Velbert, zwei Zeus-Reporter aus Bochum sowie Lokaljournalisten der NRZ und der WAZ. Kein Wunder, dass wieder Fragen über Fragen gestellt wurden.
"Die Parteien sind ja Männerdominiert - wie kommen Sie damit zurecht?", wollte eine Schülerin wissen und die Präsidentin meinte, die Frauen hätten riesige Chancen, wenn sie sich auf den Weg machten und nicht mehr in der Minderheit wären. "Als Präsidentin muss man ja unparteiisch sein, geht das denn so einfach?", wollte ein anderer Oberstufenschüler wissen. Dass das geht, beweisen auch die Schulbesuche der Präsidenten, denn in Schulen müssen sie sich ja überparteilich äußern.
"Sind die Arbeitszeiten der Abgeordneten fest oder eher flexibel?", interessierte die Jugendlichen. "Abgeordnete werden nur kontrolliert vom Wähler. Wenn der den Eindruck hat, der oder die war gut, wird er oder sie wieder gewählt. Deshalb sind die meisten sehr, sehr fleißig. Ich arbeite im Monat zwischen 300 und 360 Stunden und habe ungefähr vier Wochenenden im Jahr frei", erklärte van Dinther und zählte die Termine des Wochenendes auf, die von Presseball über Strategiekommission bis zu einer Gedenkveranstaltung im Landtag an die Pogromnacht reichten.
Besonders interessierte die Schüler die Meinung der Präsidentin zum (Zentral-)Abitur. Denn die Gesamtschule hat eine Besonderheit: Sie teilt sich einen Schulhof mit einem Gymnasium. In unmittelbarer Nachbarschaft besuchen also auch Gymnasiasten eine Oberstufe. Ob die wohl mehr wert sei, wollten die Schüler wissen. Van Dinther erzählte, ihre Mutter habe auf dem Bauernhof gelernt, der Vater sei Schneider gewesen, in der Familie habe vor ihr und ihrer Zwillingsschwester noch nie jemand Fachabitur gemacht oder Abitur. "Ich bin nicht geneigt, mich auf die Eliten zu konzentrieren. Wir brauchen alle jungen Menschen. Wir brauchen natürlich auch die Nobelpreisträger der Zukunft, die Erfinder, die Überflieger. Jeder hat ein Talent. Was man auf jeden Fall braucht, ist Energie. Aber ihr solltet nicht nur gucken, was will ich denn mal so, sondern was braucht das Land denn mal so?", empfahl van Dinther. Manchmal machten einem Sachen Spaß, von denen man es nie geahnt hätte.
"Im Grundgesetz ist Religionsfreiheit verankert, warum dürfen dann Lehrerinnen nicht Kopftuch tragen?", wollte ein junger Mann wissen. "Gerade weil es diese Religions- und Meinungsfreiheit gibt, wollen wir sicherstellen, dass die Lehrer sie nicht beeinflussen. In der Türkei dürfen Schülerinnen kein Kopftuch tragen und an den Universitäten Dozentinnen auch nicht, da sind wir offener. Aber für Lehrerinnen gilt bei uns: nicht im Unterricht", so die Präsidentin, die gerade am Tag zuvor über dieses Thema mit dem türkischen Generalkonsul in Essen, Hakan Akbulut, gesprochen hatte.
Welche Eigenschaften wichtig seien, um politisch Erfolg zu haben, wollten die Oberstufenschülerinnen und -schüler abschließend noch wissen. Die Antwort: "Man muss Lust haben, sich jeden Tag auf neue Sachen einzulassen. Man muss sich engagieren, auch mal kämpfen, Misserfolge gehören dazu. Man muss Lust haben, ein öffentlicher Mensch zu werden und kommunikativ sein."
Text: Doro Dietsch/ Landtag NRW
Und das stand in der Presse:



