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Erich Kästner-Gesamtschule • Essen

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Hallo, Moritz! Ja, anders in Essen, ja

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Eine aufsehenerregende Premiere war das am Freitag, den 19. November 2010! José F. A. Oliver stellte mit seinen zwanzig Schülerinnen und Schülern von der Erich Kästner-Gesamtschule das Kulturhauptstadtbuch "Hallo, Moritz! Ja, anders in Essen, ja" vor, das sie geschrieben hatten. Die Premiere fand statt im NRZ-Forum der Neuen Ruhr Zeitung. Mit ihr zugleich wurde die Essener Lesewoche eröffnet, die das Essener Lesebündnis jedes Jahr in unserer Stadt durchführt. Ein angemessener Rahmen für ein Literaturprojekt also, das zeigte, dass Lesen und Schreiben zusammengehören, ja, einander bedingen!

"Viele Kulturen - eine Sprache" heißt das Kulturhauptstadtprojekt, an dem die Erich Kästner-Gesamtschule für die Stadt Essen teilnehmen durfte. Durchgeführt wurde es bekanntlich von der Ruhr 2010 GmbH und der Robert Bosch Stiftung, um Jugendlichen mit Migrationsgeschichte die Möglichkeit zu bieten, sich mit ihrer Kultur einzubringen. Das Besondere daran: sie sollten dies auf Deutsch tun und auf diese Weise ein Band der wechselsieitigen Verständigung knüpfen. Nur fünf Schulen aus fünf Städten waren daran beteiligt, die Erich Kästner-Schule war eine von ihnen. Darauf sind wir natürlich stolz! Der Autor, der unsere Schülerinnen und Schüler anleitete und sie beim Schreiben begleitete, war José F. A. Oliver, der in Hausach im Schwarzwald zu Hause ist und dessen Eltern aus Andalusien stammen. Er sollte Beispiel geben und qua persona zeigen, dass es sich lohnt, sich in unsere Gesellschaft einzubringen. (Wir haben darüber berichtet.) 

 

 

 

José F. A. Oliver ist ein ausgezeichneter Lyriker und ein hervorragender Mentor. Das war in den fünf Schreibmonaten zu spüren, wenn er den Klassenraum betrat und seine Aufgaben stellte. Aber auch in den Zwischenzeiten war er präsent. Das zeigten immer wieder die Pausengespräche der Schülerinnen und Schüler, wenn sie sich über ihn unterhielten und nach ihm fragten. Er begeisterte sie mit seinem Ansatz eines poetischen Schreibens, und so wuchsen sie über sich hinaus. Zwanzig Jugendliche waren es aus dem 9., 11. und 12. Schuljahr, die an dem Projekt beteiligt waren. Eine enorme Altersspanne. Auch das eine herausragende Leistung, sie zusammenzuführen und zusammenzuhalten! Seit Januar hatten sie geschrieben und geschrieben - einige sogar bis in die Sommerferien hinein. Eine erstaunliche Leistung, die zu denken gibt, wenn man sonst so in den Schulalltag hineinschaut! Am 19. November nun wae es soweit, das Buch war fertig. Entstanden war ein literarischer Reiseführer für die Stast Essen aus der Perspektive von Jugendlichen, etwas Ungewöhnliches, etwas, das sich ohne Vorgaben aus der Zusammenarbeit selbst heraus entwickelt hatte!

Ungewöhnlich war auch die Veranstaltung selbst. Herr Koretz von der Neuen Ruhr Zeitung hatte sich "überrumpeln" lassen. Und so war aus dem NRZ-Forum mit Hilfe eines Strohballens und ein wenig Stühlerücken ein Pferdestall geworden, in dem ein Rotkehlchen, wie in dem Reiseführer beschrieben, für seinen Freund, einem blinden Pony, einen Erzählwettbewerb veranstaltete. 19 Erzählerinnen und Erzähler sollten dabei sich selbst sowie ihren Lieblingsort in Essen vorstellen, und das möglichst aus einer ungewöhnlichen Perspektive heraus. Was sind das für Jugendliche, die sich da vorstellen? Was kann man von ihnen und ihrer Lebenswelt erfahren? Was sind es für Orte, die ihnen wichtig sind? Wohin nehmen sie ihre Zuhörer mit? Das Büchlein wurde im NRZ-Forum so richtig lebendig.

Und noch mehr. José F. A. Oliver erinnerte in seiner kurzen Ansprache daran, in welchen Traditionen sich die Jugendlichen bewegten und bewegen, ohne dass dies vorgegeben war. Über viele Jahrzehnte hinweg wurden nämlich im Bergbau im Ruhrgebiet Pferde eingesetzt, die blind waren. Und die Bergleute selbst hatten unter Tage Kanarienvögel, um den Sauerstoffgehalt der Luft zu prüfen. Schon erstaunlich, was bei "Hallo, Moritz!" mitschwang. Und erinnert der Erzählwettbewerb nicht auch an die lange Tradition von Erzählwettstreiten, die es in der deutschen Literaturgeschichte über Jahrhunderte hinweg gegeben hat? Ein wenig spiegelte dies alles die Premierenlesung wider.

Es war eine Veranstaltung, wie man sie selten erlebt. Bis in den Wortklang hinein waren die verschiedenen Kulturen der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zu spüren. Sie brachten sich mit Namensgeschichten und ihren Erzählungen über ihren Lieblingsort in der Stadt Essen persönlich ein und setzten auf diese Weise auch sprachliche Akzente. Ein Prozess, der integrativ wirkte und der bei den Jugendlichen mehr sprachliches (Selbst-) Bewusstsein hervorbrachte! Kein Wunder, dass neben unserem Schulleiter Herrn van Treeck auch der Bürgermeister der Stadt Essen Herr Britz, Frau Jansenberger von der Ruhr 2010 GmbH, Herr Sachau vom Verein für Literatur in Dortmund sowie Herr Schippmann, der Vorsitzende des Essener Lesebündnisses, José F. A. Oliver und die Schülerinnen und Schüler für ihre Leistung beglückwünschten! Dieser Abend wird sicherlich so schnell nicht vergessen werden. Er wurde abgerundet durch eine zweite Lesung wenige Tage später im Dortmunder U, bei der alle fünf Schulprojekte vorgestellt wurden.

 

 

Als Schule möchten wir uns ganz herzlich bei José F. A. Oliver, der Robert Bosch Stiftung, der Ruhr 2010 GmbH, Herrn Sachau als Mittler sowie allen anderen bedanken, die sich für dieses tolle Projekt stark gemacht haben! In besonderem Maße gilt dieser Dank natürlich den beteiligten Schülerinnen und Schülern. Es sind Cansu Agarmis, Marco Albrecht, Julia Busch, Husnia Haschemi, Elmast Kaya, Ghezal Kohestani, Josephine Krause, Andreas Lüttenberg, Lisa Molzahn, Christian Rex, Virginia Sauerland, Joyce Schael, Laura Schneider, Özgen Sebat, Victoria-Anna Skipiol, Jonas Stopschinski, Laura Taplik, Viktoria Teister, Betül Yasar und Sümeyra Yildiz.   

Natürlich hoffen wir, ja, setzen wir darauf, dass José F. A. Oliver dias, was er mit diesem Projekt bei uns an der Schule begonnen hat, fortsetzen und - wenn möglich -  auch ausbauen kann. Denn das, was er mit unseren Schülerinnen und Schülern bei dieser Schreibwerkstatt erreicht hat, hat Zeichen gesetzt. Und so hat die Fachkonferenz Deutsch schon kurze Zeit nach dieser Premiere beschlossen, die Zusammenarbeit mit José F. A. Oliver weiter zu unterstützen und voranzutreiben. Denn er eröffnet mit seiner Arbeit den Kindern und Jugendlichen mit und ohne (!) Migrationsgeschichte neue Perspektiven. Daran wollen wir gerne mit ihm zusammen weiterarbeiten!  

 

Rückblickend zeigen wir noch einige Impressionen aus dem Projekt.