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Erich Kästner-Gesamtschule • Essen

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Literatürk. Eine Kooperation trägt weitere Früchte

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Deutsch-türkische Autorinnen und Autoren bekannt zu machen und ihnen Möglichkeiten zu bieten, ihre Werke der Öffentlichkeit vorzustellen, ist eines der Ziele, die sich das Festivalteam Literatürk und das Kulturzentrum Grend gesetzt haben. Und so findet seit 2005 jedes Jahr im Herbst in Essen und Umgebung das Literaturfestival Literatürk statt. Die Erich Kästner-Gesamtschule ist dabei Kooperationspartnerin, weil sie dieses Anliegen teilt und sie auf diese Weise ihren Schülerinnen und Schülern, die eine Migrationsgeschichte haben, zeigen will, dass man in Deutschland "ankommen" kann, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Aber auch etwas anderes ist wichtig: Alle Schülerinnen und Schüler, egal, wo sie geboren wurden, sollen ein wenig eintauchen können, in die heutige Welt der Literatur. Sie sollen erfahren können, wie bunt und vielfältig sie ist und dass sie sich ständig weiterentwickelt. Es ist eben nicht bloß die Beschäftigung mit Tradition, so wichtig diese auch ist.

    

Auch am 29. Oktober 2009 hatten Johannes Brackmann vom Grend und Semra Uzun-Önder mit ihren Kolleginnen einen interessanten Autoren zu bieten. Es war Alpan Sagsöz, der im 10. und 11. Jahrgang aus seinem Erstlingswerk "Die schwarze Katze aus Konstantinopel" las, aus einer Geschichte um zwei Kinder, die von ihren Eltern in Istanbul in ein Heim gebracht wurden, damit sie sich selber in Deutschland eine eigene Existenz aufbauen konnten. Ein heißes Thema, das so oder ähnlich auch einige Zehner und Elfer aus ihrem Umfeld kennen, auch wenn es nicht immer um das Heim, sondern um ein Leben bei den Großeltern oder anderen Verwandten ging. Die Kinder wurden zumindest zeitweilig zurückgelassen, weil die Eltern Sorge hatten, sie würden es in Deutschland nicht schaffen und ihre Sprößlinge würden dann Schaden nehmen. Eine problematische Rechnung, wie der folgende kleine Textausschnitt belegt:

"Aus großen blauen Adem-Augen strömten Furcht und Verzweiflung. Wenn er wüsste, dass Mama und Papa nicht nur kurz weg sind, wie könnte man dieses Weinen noch steigern, fragte sich Ibrahim. Burak umarmte ungestüm Adems Kopf und Hals, als die Eltern tatsächlich, nach 25 Minuten und 14 Sekunden des Abschieds, in den Käfer stiegen. Adem schien sich der verzweifelten Umarmung nicht mehr bewusst zu sein. Er war noch immer in der großen zeitlosen Seifenblase, welche MOMENT hieß. Burak wollte seine Aufgabe, Adem zu schützen, ernst nehmen, wie immer. Superman würde ihn wiederum schützen, wenn er Hilfe brauchte.

Ibrahim startete den Käfer wortlos und er sprang erneut an. Nun platzte es aus Burak heraus. `Mama, bitte bleib hier! Mama! Mama! Ich will hier nicht spielen.´ Direktor  Mert kniete sich Richtung Kinder nieder, aber er konnte das Duo nicht mehr mit Worten erreichen."

(Alpan Sagsöz: Die schwarze Katze aus Konstantinopel, Köln 2008, S.25 f.)

 

Ein Leben, das durch Brüche gekennzeichnet ist. Ein Sinnbild für Literatur, die aus diesem Umfeld kommt? Vielleicht sogar auf anderer Ebene auch ein Spiegel dessen, was viele Menschen ohne Migrationsgeschichte erfahren? Jedenfalls waren viele der Schülerinnen und Schüler beeindruckt und fragten nach. Vor allem in den Unterrichtsstunden danach, als sie bereits ein wenig Abstand zu dem Gehörten gefunden hatten.

Und: Viele baten darum, mehr über diese Literatur zu erfahren, die so intensiv Brüche im Leben thematisierte. Was will man mehr?