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Besuch aus Ghana - vom naheliegenden Taktgefühl

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In Afrika (zumal in Westafrika) wird nicht nur getrommelt

- Geschichten und Rhythmen aus Ghana

Anthony Thompson aus Ghana bewies nicht nur Rhythmus, sondern ein universales Taktgefühl... und das in einer sechsten Klasse und vor zwei Kursen der elften Jahrgangsstufe

Sir Simon Rattle hat es einmal so formuliert: "Vielleicht ist der Rhythmus, unser erstes Gefühl für Takt, so etwas wie das kulturelle und universale Gedächtnis der Menschheit - auf jeden Fall ist Musik eine universale Sprache."

 

 

Rhythmus als universales, d.h. für alle Menschen geltendes, weil dafür empfängliches Gedächtnis, vielleicht sogar Musik als vermittelter Rhythmus und damit als Geburtsstunde dafür, warum wir von Takt, von Takgefühl, manchmal sogar von Taktlosigkeit sprechen... eine interessante These, deren Bestätigung sehr eindrucksvoll der Besuch von Anthony Thompson aus Ghana leistete.

Da, wo es um Takt und Taktgefühl geht, geht es um das Miteinander von Menschen. Dieses Miteinander begreift sich oft als fremd, weil wir vermeintlich so verschiedene Kulturen und Sprachen leben. Vielleicht stimmt auch das nur bedingt. Vielleicht bedeutet der Besuch von Anthony Thompson jene Form von Antirassismus-Arbeit, die da beginnt, wo es naheliegend ist: Direkt beim Menschen und direkt bei dessen Gefühl für die erzählende Unmittelbarkeit, zu der Musik und noch mehr Rhythmus finden können.

 

 

Am 17.10 und am 21.10. besuchte die Erich Kästner-Gesamtschule Anthony Thompson. Ursprünglich in Ghana geboren, kam er als Student 1970 nach Deutschland, um hier vor allem wegen seiner Liebe zum Theater zu bleiben. Anthony Thompson ist und war nicht das erste Mal Gast an der EKG. Im Jahr 2004 begeisterte er Schülerinnen und Schüler, die jetzt teils in der zwölften Jahrgangsstufe Schüler sind, bereits einmal für seine Kulturarbeit, die keine Grenzen akzeptiert, sondern in der Musik eine naheliegende und universal verständliche Form von Sprache begreift.

Und so war es auch in diesem Jahr! 

Begonnen in der 6F am 17.10. überzeugte Anthony Thompson durch Erzählungen, die nicht beim Wort blieben. Gekleidet in traditioneller westafrikanischer Kleidung schnappte er sich seine Trommel und zog alle sofort in seinen Bann. Nicht nur als passive Zuhörer, sondern als wichtiger Bestandteil seiner Märchen und Mythen aus Ghana. Mit jeden Trommelschlag traf er den Takt bzw. den Puls seiner jungen Zuhörer. Was wirklich beeindruckend auf Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse wirkte, setzte sich dann am 21. Oktober vor zwei Kursen der elften Jahrgangsstufe fort. Angesprochen weit nach den Herbstferien, inwiefern der Besuch von Anthony Thompson noch nachwirke, konnten nicht wenige Schülerinnen und Schüler genau den Rhythmus und genau jene Takte noch singen, die Bestandteil dieser Veranstaltung waren.

 

 

In Afrika wird nicht nur getrommelt - Geschichten und Rhythmen aus Ghana. So lautet der Titel der Veranstaltung von Anthony Thompson (einsehbar unter www.gesichter-afrikas.de).

In Afrika, zumal in Westafrika wird tatsächlich weit mehr als nur getrommelt. Und wenn getrommelt wird, dann berührt das unmittelbar, ja ist nicht nur hörbar, sondern fühlbar. Als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" bleiben solche Veranstaltungen überzeugend, weil sie eben nicht das Trennende, sondern das Naheliegende thematisieren. Und was ist so naheliegend, wie unser erstes Empfinden für Rhythmus, was ist uns je näher gekommen als unser erstes Aufspüren von Takt, als z.B. der Herzschlag der Mutter, dem wir lange noch vor unserer Geburt nahe waren?

Peter Gutsche(der sich vor allem auch bei Artur Nickel bedanken möchte, der die Veranstaltung nicht nur seinem Kurs, sondern eben einer sechsten Klasse und einem Kurs in Philosophie ermöglicht hat)