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Lutz van Dijk besucht die EKG

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Lutz van Dijk (war einmal mehr) Gast an der EKG

 

Ein offener Brief an einen bemerkenswert offenen Menschen

 

 

Lieber Lutz,

seit sieben Jahren nun schon besuchst du die Erich Kästner-Gesamtschule und seit sieben Jahren kennen wir uns. Seit sieben Jahren gab und gibt es im Reflex auf deine ungemein gewinnende und einladende Art, mit Menschen in ein vorbehaltloses Gespräch weit über alle Grenzen hinweg zu treten, die gleichen gebannten Rückmeldungen. Einmal mehr hörte dir am 30. April der gesamte elfte Jahrgang zu – und der Jahrgang hörte einmal mehr fühlbar beeindruckt zu. Nicht allein die Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen und – das darf ich hier auch einmal sagen – der Schulleiter, Herr van Treeck.

Für einen Menschen, der auf den ersten Blick alles andere als eine gradlinige Biographie vorzuweisen hat, besticht all deine Zuhörer immer wieder, wie viel Gradlinigkeit sich da vermittelt: Ein noch junger Mann, der aus der eigenen Familie und mancher vielleicht empfundenen Enge mit gerade einmal achtzehn Jahren von Berlin aus nach New York entflieht, um eine seiner Lebenswahrheiten fernab gewohnter Wege anzutreffen – „überall auf der Welt werden Menschen zu Freunden“. Ob du von dir als Mensch berichtest, der ein ausgeprägtes Interesse an Geschichte hat, um einmal meinen Beruf kritisch zu erinnern und die zu fragen, die in eben der NS-Zeit selbst Lehrer waren und Courage bewiesen, man hört dir zu und es ist fast gleichgültig, ob die, die dir zuhören, vielleicht noch nicht einmal achtzehn Jahre sind oder halt längst selbst in diesem Beruf.

Als ich dich – da war ich noch Referendar – im Jahr 2002 erstmals persönlich kennen lernte, lernte ich einen Menschen kennen, der für mich als Lehrer wichtig werden sollte. Ich lernte einen Menschen mit ungestümer Lebensfreude und ungebrochener Neugierde kennen, der ganz offensichtlich das lebte, was so manche Lektüre während meines Studiums der Philosophie lehrte: Eine gelebte Ethik, eine authentische Toleranz, einen großen Blick, der erst gar nicht von Minderheiten, von Ausländern und von denen spricht, die vermeintlich anders sind. Im Zentrum deiner Arbeiten als Schriftsteller und deiner Arbeiten als Mensch, der sich in Südafrika innerhalb der durch dich mit initiierten Einrichtung HOKISA für Aidswaisen engagiert, stand und steht stets schlicht und einfach der Mensch; der Mensch, der anders ist, schwarze Hautfarbe hat, sich als homosexuell outet, mit HIV infiziert ist und der halt - wie jeder Mensch - anders ist; den es aber halt „Überall auf der Welt“ (so einer deiner Buchtitel) gibt, wodurch der Andere eben aufhört, anders und fremd zu sein.

Mir waren die Begegnungen mit dir immer wichtig, ja – das weißt du aus manchen persönlichen Gesprächen und Briefwechseln – mir haben diese Begegnungen geholfen, authentisch in diesem Beruf anzukommen, der das Privileg eröffnet, jeden Tag auf junge Menschen zu treffen, denen nichts so gut tut wie vermittelte Offenheit und eine ethische Unerschrockenheit in der Akzeptanz jeglichen Lebensentwurfes.

Seit fast nunmehr sieben Jahren entgegne ich den 11ern, die dir einmal mehr so gebannt zugehört haben, dass sie „polymorph-pervers“ seien und dass das genau auch gut ist. Wir sind notwendig anders und zwar überall auf der Welt. Und zur menschlichen Natur gehört nun einmal die sonderbare Einsicht, dass es sie in festgelegter Ausschließlichkeit eines Lebensentwufes nicht gibt.

Im Anschluss an die diesjährige Lesung gab es sehr viele Rückmeldungen, die genau das spiegelten: Es beeindruckt, wenn gelebte Toleranz nicht deshalb gut ist, weil sie sich auf der richtigen Seite weiß, sondern deshalb gut ist, weil sie gütig geblieben ist, ja immer so freundlich und gewinnend verständig und verständlich bleibt.

Es gab Schülerinnen und Schüler, die zeigten sich gerührt – und als ich den Trailer der Verfilmung deines Buches „Themba“ sah, war ich fast erleichtert, dass es technische Pannen gab, so dass wir diese tief berührenden Bilder dieser ersten Verfilmung eines Buches von dir nicht zu Ende sehen konnten, denn auch ich war tief bewegt.

Ich kann dennoch nur hoffen, dass die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe und mit mir meine Kolleginnen und Kollegen nicht nur diesen Film sehr bald sehen werden, sondern auch dich einmal mehr im nächsten Jahr. Und ich weiß, dass ich Menschen wie dir den Dank nicht schuldig bleiben will, dass ich als Lehrer auch der geworden bin, der ich vielleicht geworden bin, weil ich Menschen wie dir begegnet bin. Und Letzteres verdankt sich an der EKG oftmals Artur Nickel, der solche Begegnung immer wieder initiiert und organisiert.

Ganz ausdrücklich im Namen der 11er und im Namen der Kolleginnen aus der Fachschaft Religion, Petra Belz und  Susanne Bechtel-Rupprecht, die sofort bereit waren, sich an dieser Lesung mit ihren Kursen zu beteiligen! Die inhaltlich notwendigen Korrekturen dieses Briefes verdanken sich übrigens den Schülerinnen und Schülern des 11. Jahrgangs selbst, die mich auf manche Ungenauigkeit hingewiesen haben. Ein Beleg für nicht wenig Achtsamkeit - selbst eine Woche nach dieser bemerkenswerten Veranstaltung.

Peter (Gutsche)