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Erich Kästner-Gesamtschule • Essen

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Start Arbeitsschwerpunkte EKG - EssenerKulturGespräche Marica Bodrozic, die zweite ...

Marica Bodrozic, die zweite ...

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Schreib dir die Seele aus dem Leib

Da war sie wieder. Wie versprochen. Und so warteten die Zwölfer aus dem LK Deutsch am 22.6.2010 gespannt darauf, was sie diesmal im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres erwartete. Ihr Wunsch: Marica Bodrzic sollte wieder aus ihrem noch unveröffentlichten Roman "Das Gedächtnis der Libelle" lesen. Sie wollten doch wissen, wie sich die Handlung weiterentwickelte. So geschah es auch.

Marica Bodrozic fing an zu lesen, und im Nu hatte sie die Zwölfer wieder mit ihrer Sprachkunst eingefangen. Eine Flut von Bildern stürmte auf die Schülerinnen und Schüler ein, die sich übereinander stapelten, um sich dann wieder hintereinander aufzureihen. Mal wiederholten sie sich, mal drehten sie sich im Kreis, um anschließend mäandernd weiterzuziehen. Überhaupt war es faszinierend zu beobachten, wie präzise Marica Bodrozic Dinge sprachlich verknotete, auf den Begriff brachte, um dann wieder mit einer kleinen Wendung weite Phantasieräume zu öffnen, die man auf die Schnelle gar nicht in all ihren Tiefen ausloten konnte. Dazwischen gab es immer wieder kleine Spruchweisheiten, manchmal etwas lapidar, jedoch stets einleuchtend, nie kitschig. Das kam an. Dabei bewegte sich Marica Bodrozic immer auf der Ebene der Jugendlichen, so dass diese sich ernstgenommen fühlten. Eine gute Basis für offene und grundehrliche Gespräche. Gerade für Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte war gut, dass sie hin und wieder Absonderliches aus ihrer kroatischen Kultur einbrachte, darüber lachen konnte und so dazu einlud, dass sich auch andere mit ihren Erfahrungen äußerten. Es war toll miterleben zu dürfen, wie tief Literatur wirken kann. Literatur ist eben kein "Stoff", sondern etwas sehr Lebendiges Und genau das ist etwas von dem, was sie zur Kunst macht.

Im zweiten Teil der Veranstaltung hat Marica Bodrozic mit den Zwölfern eine kleine Schreibwerkstatt inszeniert. Zunächst sollten sie ihre Namen beschreiben und darstellen, was sie mit ihm verbinden. Anschließend ging es darum, einen kleinen Text zu formulieren und aufzuschreiben, was ihnen aus ihrer eigenen Biographie dazu einfiel. Schließlich sollten sie - der dritte Schritt - ihre ganz eigene Phantasiegeschichte erfinden.

Erstaunlich, was da plötzlich an literarischer Bewegung entstand, und zwar bei allen! Kleine Texte wuchsen zwischen Fantasie und Wirklichkeit und weckten Lust auf mehr. Jeder auf seine Weise mit dem Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Selbst die Zwölfer waren überrascht, was sich sprachlich da manchmal unter ihnen entwickelte. Wer hätte das gedacht!

Und so stand am Ende ihres Besuchs die Ermutigung von Marica Bodrozic, doch weiter zu schreiben und die entstehenden Fantasieräume zu nutzen. Sie tat das, indem sie sich den Rat zu eiigen machte, den Joyce Carol Oates einnmal einem jungen Schriftsteller gegeben hat:

"Schreib dir die Seele aus dem Leib. Schäme dich nie deines Themas, noch deiner Leidenschaft für dieses Thema. (...) Der Kampf mit der verschütteten Seite oder den Seiten deiner Persönlichkeit bringt deine Kunst hervor; diese Gefühle sind der Antrieb für dein Schreiben, der es möglich macht, dass du Tage, Wochen, Monate und Jahre bei etwas bleibst, das anderen, aus der Distanz, als 'Arbeit' erscheint. (...) Der erste Entwurf ist vielleicht holprig und anstrengend, aber der nächste und der übernächste berauschend und erhebend. Habe Vertrauen: Der erste Satz ist nicht geschrieben, bis nicht der letzte Satz geschrieben ist. Erst dann weißt du, wohin du gewollt hast und wo du gewesen bist." (vgl. Joyce Carol Oates: Beim Schreiben allein, Frankfurt/Main 2006)