Das Kulturhauptstadtjahr hinterlässt seine Spuren an der EKG. Auf Einladung von Klauspeter Sachau und der Robert-Bosch-Stiftung besuchte uns am 13. April 2010 die deutsch-kroatische Schriftstellerin Marica Bodrozic. Das war etwas Außergewöhnliches, wenn man bedenkt, was für einen literarischen Namen sie sich bereits erarbeitet hat. Marica Bodrozic ist unter anderem Trägerin des Adelbert-Chanisso-Preises und des Initiativpreises Deutsche Sprache. Nicht zuletzt ihr Auftreten auf der Leipziger Buchmesse wenige Wochen zuvor zeigte an: Da kam tatsächlich eine außergewöhnliche Literatin.
Erfrischend, wie Marica Bodrozic ihre Lesung vor Schülerinnen und Schülern der zwölften Jahrgangsstufe und den Teilnehmern an unserem Kulturhauptstadtprojekt begann. Wenige Worte der Einführung, dann las sie einige Kapitel aus ihrem neuen Roman "Das Gedächtnis der Libelle", der in den nächsten Monaten erscheinen wird. Eine Premiere für die Zuhörenden wie für sie, eine Probe aufs Exempel, wenn man so will. Wie würden die Schülerinnen und Schüler reagieren? Wie kommt das Geschriebene bei ihnen an? Wie wirken die Worte, die sprachlichen Bilder, die den Text tragen? Lassen sich daraus Rückschlüsse ziehen auf das, wie die literarische Öffentlichkeit später reagieren wird?
Sehr schnell zog Marica Bodrozic die Zuhörerinnen und Zuhörer in ihren Bann. Eine eigene Welt tat sich da auf, die zwischen der kroatischen und der deutschen Kultur fußte. Eine fast unbändige Kraft, die selbst für ganz zarte Regungen sprachliche Räume schuf, die ungewöhnlich waren und die es sich zu betreten lohnte. Das alte Thema Liebe sprach für sich und entfaltete in den gelesenen Kapiteln seine ihm eigene sprachliche Magie.War es nicht letztlich die Liebe zur Sprache, die sich da ihren Weg suchte?

Fünf Jahre lang hat Marica Bodrozic an dem Manuskript gearbeitet: Schreiben als Klärungsprozess, Schreiben als lyrische Explosion, Schreiben, das zur Langsamkeit zwingt. Erstaunlich, wenn so etwas gerade an einer Schule zur Sprache kommt. Es sollte öfters passieren. Darin waren sich die Beteiligten schnell einig. Denn dann wird Schule (sprachlich) richtig lebendig.

Es ist eine wunderbare Erfahrung, schwach zu sein. Kann es Nachdenken aus der Rückschau geben? Das Nachdenken über die Wörter fasziniert. Wenige Sätze, die zeigen, was Marica Bodrozic wichtig ist und was sie vermitteln möchte. Es geht darum, echt zu sein, authentisch. Das stärkt. Sophie Reinecke brachte es später auf den Punkt: Marica Bodrozic und ihre Literatur sind voll mit positiv geladener Energie.
Klar, dass dieser Besuch seine Fortsetzung findet. Wir freuen uns schon jetzt darauf.





